Re: Bezahlen für digitale Inhalte?

Anne hat auf neontrauma über kostenpflichtige digitale Inhalte geschrieben, ich nutze die Gelegenheit um auch mal Stellung zu beziehen.

Der Artikel ist sehr lesenswert und erklärt die verchiedenen Bezahlmodelle für digitale Inhalte wie Freemium oder die Paywalls, die immer mehr Zeitungen einsetzen.

Meine digitalen Ausgaben

Abgesehen von Spielen über Steam oder ein paar ingame boosts für Rift habe ich eine Reihe digitale Ausgaben. Dekorative Items interessieren mich übrigens weder in Counter Strike, noch in Rift. Was für das Gameplay nicht relevant ist, belastet mein Konto auch nicht 😉

Musik konsumiere ich, wenn dort verfügbar, meist über Spotify und das obwohl sie Teil der Massenklage gegen The Pirate Bay waren. Dafür, dass ich Musik auch offline auf meinem Smartphone hören kann, zahle ich jeden Monat 13€.

Apps kauft man halt ab und zu, auch aus Neugier, zumindest wenn sie nicht gerade 5€ oder mehr kosten. Meine letzten Einkäufe dort sind DroidEdit oder Lapse it Pro. Einfach ein paar Features mehr, die bei den Freemium App Versionen einfach fehlten. BeyondPod sollte ich hier auch erwähnen, weil die Pro Version einfach viel toller ist und sich als mobiler Podcatcher für Android wirklich lohnt.

Um für 12 social media accounts entweder gleichzeitig oder getimed zu posten, habe ich ein Abonnement bei Buffer, das mich 10$ im Monat kostet. Warum 12? Vollzeitblogger, privat, Firma, Unganked, JSNews und ja, ich habe zu viele Projekte 😉 und das alles auf Facebook, Twitter oder G+.

Seit Adobe die Creative Cloud für Studenten und Lehrer zu einem Spottpreis anbietet, zahle ich dort auch monatlich um die 20€. Für mich günstiger als die alten Preismodelle.

Ausgaben als Blogger und Webentwickler

Zur zeit habe ich um die 15 Domains, 3 virtuelle Server und ein paar Webspaces, manche davon Kunden, wenn ich mehr wollte, hätte ich mehr, aber ich halte mich aus dem Hosting lieber raus, weil man da viel Verantwortung für die Kundenseiten übernehmen muss.

Mir sind es die Euro pro Monat wert, damit meine Firma nicht auf .blogspot.com existiert, damit ich alles verstellen kann, damit ich Serverdienste ausprobieren kann um darüber Bücher zu schreiben, damit meine Emailadresse nicht mit @gmail.com aufhört. Das alles sind natürlich teilweise Investitionen, aber besonders auf diesem Blog steckt ja nicht viel Geschäftliches mit drin und ist eher privat.

Skepsis gegenüber digitalen Produkten

Anne spricht an, dass man digitalen Diensten oder Produkten eventuell weniger Wert beimisst. Man ist verwöhnt von Diensten die scheinbar nicht kosten, jedoch zahlen wir oft mit Daten oder begeben uns in den walled garden einer Firma mit unserer Entscheidung.

Fachliteratur würde ich eigentlich größtenteils digital kaufen, weil man eine Suchfunktion geschenkt bekommt, die unheimlich praktisch ist wenn man sich auf eine Prüfung vorbereitet oder eine Arbeit schreibt.

Ein paar Bücher, darunter eines meiner Lieblingsbücher (Hagakure) habe ich über Google Books gekauft, bevor es in Europea verfügbar war, zu Zeiten meines San Francisco Praktikums. Seitdem kaufe ich dort ab und zu und im Verhältnis liegen meine Bücherkäufe bei 50 / 50 analog zu digital.

Filme und Serien würde ich nur digital kaufen, weil optische Laufwerke nerven und laut sind. Einen standalone DVD-Player habe ich selbst nie besessen. Wozu auch wenn man einen Computer, Fernseher und ein HDMI Kabel hat?

Bedenken habe ich natürlich bei Käufen, weniger bei Flatrates, weil die meisten digitalen Medienverkäufe immer noch versuchen einem DRM und ähnlichen Schund in den Rachen zu schieben, was natürlich weniger cool ist, wenn man Linux nutzt oder nicht an irgend ein iGedöns gebunden werden will.

Digitale Bezahlmodelle

Es gibt eine breite Masse an Möglichkeiten um digitale Inhalte zu monetarisieren, auch hier kann ich Anne zustimmen Flatrates sind beliebt. Zu den bekanntesten Diensten gehören Spotify und Netflix. Werbung ist natürlich auch ein Faktor viele Apps bieten zum Beispiel an, dass die Werbung in der Pro Version nicht angezeigt wird, was bei den knapp bemessenen Smartphone Bildschirmen natürlich ein großer Anreiz ist.

Paywalls

Paywalls sind etwas unausgereift und nicht immer leicht umzusetzen, da sie entweder leicht auszutricksen sind oder wenn sie auf IP-Adressen setzen, alle Benutzer hinter einem Router als einen behandeln. Verständlich sind sie dennoch, denn die Verlage können so mehr online veröffentlichen und sind nicht allein auf die Werbeeinnahmen angewiesen.

Flattr / Spenden / Crowdfunding

Ich bin ein großer open source Fan (ja auch von Gimp :P) und spende ab und zu an fleißige Entwickler, die coole Software schreiben und sie verfügbar machen, wie zum Beispiel Überwriter und Haroopad. Selbst habe ich derzeit nicht wirklich die Leser / Zuschauerbasis um Spenden sinnvoll zu implementieren. Wer mehr dazu erfahren möchte könnte aber bei Tim Pritlove vorbeihören, denn er ist einer der Stars auf Flattr, die damit ihr Schaffen finanzieren können. In dem Blogpost 2 Jahre Flattr aus dem Jahre 2012 schreibt er über seine Einnahmen über Spenden und deren Entwicklung. Eine Sammlung seiner Podcasts gibt es auf metaebene.me.

Kickstarter ist auch nochmal eine Geschichte für sich und bisher habe ich nur an der Kickstarterkampagne von Ghost teilgenommen. 10£ von den insgesamt 196362£ kamen von mir, aber über längere Frist hält sich das Projekt auch mit Abonnements rentabel.

Was ich lieber in der Hand hätte

Comics, bzw Graphic Novels. Sandman von Neil Gaiman oder Frank Millers Sin City. Fotos als Druck, Fotozeitschriften, die sich mit den Fotos beschäftigen und nicht mit den letzten Kamera specs.

Fazit

Der Wert zählt, als Nerd brauche ich ein Werkzeug um 12 social media accounts mit Inhalt zu versorgen, als Holzfäller oder Kaminbesitzer will ich eine geile Axt um mein Feuerholz zu schlagen.

Für mich haben Dinge wie Hosting, Domains und Mailhosting relativ viel Wert und ich schaue kaum in meinen Postkasten in der wirklichen Welt. Es kommt halt darauf an wo man zu Hause ist, überall oder in einer Wohnung, die man mit Sachen voll stellt. Das Verleihen von digitalen Produkten ist natürlich problematischer, aber oft machbar.

Ich zahle gerne digital, auch im Netz, weil es bequem ist. Das mein Kreditkartenanbieter meine Daten verkauft, ist natürlich uncool, aber es ist einfach und ich vertraue den Anbietern bei denen ich mein Geld lasse, auch auf Vorkasse.

Und ihr so?

Was wollt ihr? Bücher als durchsuchbares Dokument oder als duftende Sammlung von Seiten, mit leicher rauher Oberfläche? Habt ihr schon eine App gekauft oder verlasst ihr euch auf die Standardapps? Welche digitalen Güter sind eure wertvollsten oder liebsten?

4 Antworten auf „Re: Bezahlen für digitale Inhalte?“

  1. In dem Artikel sprichst du ein echt weites Feld an…
    Deswegen werde ich nur mal zu den Digitalen Inhalten Stellung nehmen die ich regelmäßig konsumiere:
    EBooks
    Den Artikel von Anne habe ich auch gelesen und muss sagen das
    Gefühl, dass ein EBook weniger „werthaltig“ als eine Printausgabe ist habe ich auch.
    Wenn ich mir ein1000 Seiten Buch für eine Reise kaufe, macht es Sinn dieses als EBook zu kaufen. Da habe ich als Backpacker einfach weniger zu schleppen 😉
    Vom Gefühl her ärgere ich mich aber wenn ich nur minimal weniger zahle (oder sogar mehr im vergleich zu einem gebrauchten Buch), obwohl ich keine „Papierseiten“ bekomme.
    Das konzept: Wer print kauft bekommt das Ebook kostenlos dazu finde ich da sehr gut! Das machen leider aktuell nur einige Verlage.

    Beste Grüße

  2. Also ich habe mir noch nie eine App gekauft, da nehme ich immer die Free-Version oder gar keine… auf der anderen Seite gebe ich pro Monat 5€ für web.de aus, einfach nur weil ich damals vergesse habe die Probezeit zu kündigen 😀 😀

    Bei E-Books finde ich den geringeren Preis gegenüber der Printversion schon gut nachvollziehbar, schließlich muss nichts gedruckt, geliefert etc werden. Aber ich mag die „echten“ Bücher bisher lieber 😉

    Sonst mag ich generell diese „Alles-im-Internet-muss-möglichst-kostenlos-sein-Mentalität“ irgendwie nicht. Nur weil es digital ist, heißt es doch nicht, dass man dafür nicht auch arbeiten musste…

    Liebe Grüße! 🙂

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