Backupstrategie für Fotografen

Backups sind wichtig. Wie wichtig, versteht man meist erst, wenn man sie nicht gemacht hat. In unserem Zeitalter, besonders für Digitalfotografen, ist ein Datenverlust etwa so als würde man das Atelier eines Renaissancekünstlers in Brand stecken.

Wenn man also auch nur einen Pixel auf seine Fotos hält, sollte man sicht nicht wartend um die Feuerstelle setzen und auf das Feuer warten. Was ich darüber weiß? Ich habe eine Ausbildung als IT-supporter hinter mir. Ich habe erzweifelte Menschen gesehen, bleich, schockiet und den Tränen nahe, als ich ihnen sagen musste, dass ihre Festplatte leider einen mechanischen Defekt hat und nur in einem Labor für 1000€ aufwärts vielleicht wieder gerettet werden könne.

Die Hardware

Festplatten sterben langsam, jeden Tag. Die Lebensdauer ist von Ein- und Ausschaltvorgängen, Lese- und Schreibvorgängen, Bestriebsstunden und mehr abhängig. Millimeter liegen zwischen Festplatte und Lesekopf, wenn eine Festplatte fällt, geht es selten gut. Daten sind nicht sicher, wenn man dafür nicht sorgt. Sie sind sicher, wenn man sie sichert.

Um das zu bewerkstelligen müssen Sie nicht viel tun, nur Backups / Sicherheitskopien anfertigen.

Fangen wir mit den Hardwareanforderungen an.

Sie brauchen Platz, kaufen Sie 2 externe Festplatten ihrer Wahl. Die Größe lässt sich durch eine einfache Formel bestimmen: durchschnittliches Datenvolumen * Shootings pro Zeitraum. Das heißt Sie brauchen so viel Platz, um die Daten mehrerer Shootings über einen selbst gewählten Zeitraum zu sichern. Diesen Zeitraum würde ich nicht kürzer als ein Jahr ansetzen.

Als kleines Beispiel: Vor kurzem hatte ich ein Hochzeitsshooting im Team (Foto und Video) mit 3 Video- und einer gewöhnlichen Kamera plus externem Mikrofon. Datenvolumen nach 15 Stunden insgesamt: 85GB. Dazu kommen .psd files, die nicht gerade klein sind. Hätte ich so ein Shooting einmal im Monat bräuchte ich also mindestens 85GB * 12 (1020GB) Platz pro Jahr. Demnach würde ich mindestens 1.5TB als Festplatten kaufen.

Jetzt liegt es an ihnen ob sie manche Rohdaten ewig aufbewahren wollen, oder sagen: So ein Jahr ist vorbei, jetzt meldet sich der Kunde ohnehin nicht mehr, weg mit dem alten Kram.

Da die Festplattengröße jedes Jahr wächst und große Platten immer günstiger werden, ist der finanzielle Faktor hier zu vernachlässigen.

Die Software

Es gibt ja in Betriebssysteme eingebundene Backuplösungen wie zB Apples Timemachine. Wenn man allerdings nur bestimmte Ordner sichern möchte, wie die mit Rohdaten und Projektdateien, gibt es dafür auch einfachere Wege, wie zum Beispiel Synkron. Damit werden Dateien, die sich seit dem letzten Kopiervorgang nicht geändert haben, einfach übersprungen, was Kopiervorgänge drastisch reduziert.

Davon abgesehen gibt es auch Dienste wie Dropbox, die ich hier nicht empfehlen möchte, da diese Daten auf externen Servern speichern, bei großem Datenvolumen je nach Internetverbindung viel Zeit in Anspruch nehmen und es Datenschutztechnisch problematisch ist.

Die Strategie

Kommen wir zur Strategie. Wir müssen sicherstellen, dass die Daten, die uns wichtig sind, an mindestens 2 verschiedenen Orten gespeichert sind.

  1. Kopieren Sie alle Dateien, die Sie sichern möchten auf beide externe Festplatten.
  2. Bringen sie eine der Festplatten zu einem Freund/Bekannten der darin unter keinen Umständen herumwühlt. (Ein Schließfach in der Bank tut’s auch, wenn es so jemanden in Ihrem Leben nicht gibt)
  3. Je nach Bedarf täglich oder wöchentlich auf die noch vorhandene Festplatte sichern und regelmäßig mit der anderen tauschen.
  4. Alle 2-3 Jahre Festplatten austauschen.
  5. Ruhiger schlafen bei Gedanken an Erdbeben, Brände, Einbrüche oder Unfälle.

Unterwegs

Um Daten unterwegs ohne Computer zu sichern gibt es Geräte wie das Hyperdrive Colorspace von Hyper. Dazu gibt es auch günstigere Alternativen wie hier von Wolverine.

Skalierbarkeit

Das Prinzip bleibt das gleiche, gleich wie viele TeraByte an Daten gesichert werden müssen oder wie viele Menschen gleichzeitig von wie vielen Orten Zugriff darauf haben sollen, die Daten müssen verteilt werden. Lediglich die technische Umsetzung ändert sich und es sollte ein Server mit ein paar Festplatten mehr ins Spiel gebracht werden. Um so ein Szenario zu beleuchten möchte ich auf Chase Jarvis wunderbares Video zu Workflow und Backupstrategie hinweisen, dass sich hier findet: Chase Jarvis TECH: Complete Workflow for Photo and Video

Dieser Artikel wurde ursprünglich für ein dänisches Modell und Fotografenportal geschrieben, die deutsche Fassung ist aber nun hier online.

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