Was man beim Bloggen von sich erzählen sollte

Diese Woche ist die vom blogger-forum initiierte Themenwoche und sie dreht sich darum, wie viel man denn auf dem eigenen Blog von sich Preis geben sollte.

Privatsphäre und Sensibilisierung was Datenschutz angeht gehören zu den wichtigsten Themen unseres Zeitalters. Jetzt, nachdem wir die Möglichkeit haben durch Technologie, Firmen wie Facebook oder Google zu erzählen was wir wann, wo und mit wem gerade tun, egal ob es Cafébesuche mit foursquare oder Musik hören mit Spotify ist.

Die riesige und automatisierte Masse an Daten hat vor und Nachteile, die nach einem eigenen Artikel schreit, denn hier soll es darum gehen, was man in seine eigenen Posts schreibt.

Was ich so poste

Ich poste viel und folge öffentlich den WikiLeaks accounts. An Flughäfen werde ich öfter als andere Menschen gefilzt, wahrscheinlich aber eher, weil ich schwarze Militärbekleidung trage und immer ein paar Kilo Elektronik dabei habe.
Ich scrobble was ich höre über last.fm. Ich poste Bilder wenn ich mit Freunden einen trinken gehe und habe mich als Raucher geoutet.

Was wenn mein Chef das findet?

Dazu kann ich nur sagen: Welcher Chef?

Die Chefs die ich bis jetzt hatte, hatten weder ein Problem mit meinen social media Accounts, oder meinem Musikgeschmack. Die Menschen die mich beauftragen, entweder als freier Mitarbeiter oder durch meine Firma, schätzen mich aufgrund meiner Qualitäten. Wer mich ein wenig kennt weiß, dass ich obwohl ich auf Gothicnächte gehe und Placebo und ASP höre weder suizidal, noch schlecht drauf bin; dass ich auch wenn ich Rammstein höre keine Verbindungen zu Ausländerfeindlichen oder faschistischen Gruppen habe und trotz anstößiger Texte nicht besonders gewaltbereit bin.

Wer nicht differenzieren kann, dem entgehen geile Menschen

facebook profil bild dunkel

Wer zu früh urteilt und mich nicht kennen lernen will, weil ich ein etwas düsteres facebook Bild habe, den muss ich auch nicht kennen lernen. Für mich ist das quasi nur positiv, wenn ich oberflächliche Menschen abschrecke, weil diese dann nicht meine Zeit verschwenden.

Meiner Ansicht nach wird der social media Check an Bedeutung verlieren, Saufbilder können dem Chef eigentlich egal sein, wenn man in seiner Freizeit engagiert an Projekten im gleichen Feld arbeitet (zB als Programmierer).

Das soll natürlich kein Aufruf sein sein gesamtes Leben inkl. aller peinlicher Momente zu posten, aber es sollte nicht zum Versteckspiel geraten.

Was ich nicht tun würde

Auf meinen Blogs hagelt es von Zeit zu Zeit Kritik an Firmen und Institutionen. Wenn das passiert haben sie es meist dicke verdient und es bewegt sich auf anderem Wege nichts. Das wird so bleiben. Wenn ich mit oder für andere arbeite und es dort Probleme gibt, löse ich diese intern und wenn das nicht geht würde ich wohl vor Gericht gehen und Sie nicht öffentlich bloß stellen. Meine Blogs sind ja keine Hetzplattformen.

Fazit: common sense

Was ich eigentlich sagen wollte: erzählt was ihr wollt, achtet die Privatsphäre Anderer und denkt vielleicht darüber nach ob ihr, was ihr gerade schreibt in ein paar Monaten noch so vertreten könnt, wenn ihr auf der Straße darauf angesprochen werdet.

2 Antworten auf „Was man beim Bloggen von sich erzählen sollte“

  1. Ich finde es gut, dass du deinen eigenen Stil lebst, egal was andere dazu sagen – und das auch zeigst. Das können nicht viele 😉
    Ich denke aber mal dass es einen Chef wenig interessiert, was du für Musik hörst und in welcher Szene du unterwegs bist – ich glaube da ist eher ein heikleres Thema, wenn man ziemlich ordinäre Partybilder von sich hochstellt. Wobei ich glaube, dass diese schon extrem sein müssen, damit es ein Nachspiel hat. Sonst gehe ich jetzt mal davon aus, dass jeder so seine Ausrutscher hat und das in gewissen Maßen auch akzeptiert wird – selbst im web.

    Dann nochmal danke zu deinem Kommentar bei mir!
    Ja, ich wanke schon viel herum, aber das liegt auch daran, weil ich finde dass es bei dem Thema kein eindeutiges richtig und falsch gibt. Was man preisgibt liegt im Endeffekt nur bei jedem selbst und etwas mehr preisgeben muss genauso wenig falsch sein wie gar nichts von sich zu erzählen. Dieser Unterschied macht eben auch einen Blog aus und solange man sich dann selbst auch treu bleibt, finde ich beides vollkommen in Ordnung. Klar gibt es Dinge, die ICH selbst nie auf meinem Blog erzählen würde, aber das muss nicht heißen, dass es falsch ist wenn andere das tun.
    Es kommt einfach ganz darauf an, wer hinter dem Blog steckt, was derjenige vermitteln will und was ihm selbst wichtig ist. So sehe ich das.

    Bei der Meinungsäußerung meinte ich folgendes:
    Es gibt zB auch Blogger, die mal etwas schweres mitgemacht haben und das niemanden im „richtigen Leben“ erzählen können. Wenn man jemanden vor sich hat, fällt einem das einfach viel schwerer. Ich habe schon oft Einträge von Blogs, die ich gerne mal lese, gesehen, wo Blogger darüber schreiben dass sie gewisse Erlebnisse hatten, die sie jetzt zum Teil noch verfolgen. Im Internet kann man ohne Bedenken schnell mal äußern, dass man sich mal selbst verletzt hat, fast vergewaltigt oder geschlagen wurde. Im richtigen Leben schweigt man so etwas tot.
    Und wenn da jetzt einmal ein derartiger Beitrag kommt, finde ich das ok, solange ein Blog nicht zur Kummerkastentante mutiert.
    Und es gibt auch andere Situationen, wo man einfach mal um Rat sucht. Es muss ja nicht unbedingt sein dass man sich über jemanden beschweren will – es kann einfach sein dass man da ein Problem hat und einen Beitrag mit der Frage „Wie würdet ihr das lösen?“ schreibt.
    Das ist für mich kein hinter dem Rücken schimpfen, sondern einfach nur eine Frage nach Rat – also wieso nicht? Im Internet erreiche ich einfach viel mehr verschiedene Personen und kann mir so viel mehr Meinungen ermöglichen. Und mich dann entscheiden, wie ich das Problem anpacke.
    Davon, mich im Internet über xy zu beschweren, der das und das gemacht hat, halte ich nichts.

    1. Hey, freue mich, dass dir mein Ansatz gefällt.
      Ich kann zustimmen, dass Blogs und das Internet als Kommunikationskanal für schwierige Themen manchen Leuten wirklich Türen öffnen um sich anonym auszutauschen. Treffen wie „anonyme“ Alkoholiker gibt es ja auch nicht ohne Grund.
      Es muss nicht gleich für soziale Inkompetenz sprechen, wenn man sich nicht gleich und sofort mit allen Beteiligten an einen Tisch setzt. Ich persönlich kenne auch Leute, die einen anonymen Zweitblog betreiben, um sehr persönliche Dinge preis zu geben und ihre in der Welt verstreuten Freunde daran Teil haben zu lassen und Rat einzuholen. Das ist für mich auch sehr verständlich, ich hatte es wohl mehr auf öffentliche und namentlich geführte Blogs bezogen.

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